
Die Tourismusstrategie Eifel 25plus
Ein Gespräch mit Dr. Alexander Schuler
Mit der BTE Tourismus- und Regionalberatung hat die Eifel Tourismus GmbH (ET) schon mehrfach produktiv zusammengearbeitet. Es zählt seit 1989 zu den führenden Beratungsunternehmen für Tourismus- und Regionalentwicklung in Deutschland. Das Unternehmen begleitet Destinationen von der Analyse über die Strategieentwicklung bis zur Umsetzung – praxisnah, partizipativ und nachhaltig.
Im Interview mit ET-Redakteurin Petra Grebe erläutert Geschäftsführer Dr. Alexander Schuler, warum die Eifel eine Tourismusstrategie für die nächsten Jahre benötigt und wie sie zustande gekommen ist.
ET: Was war der Anlass für den Strategieprozess und auf welcher Grundlage beruhte er?
Dr. Alexander Schuler: Ausgangspunkt war die 2020 verabschiedete Tourismusstrategie Eifel 2025. Sie bildete ein solides Fundament, musste jedoch angesichts tiefgreifender Veränderungen unter anderem durch die Corona-Pandemie, verändertes Reiseverhalten, zunehmende Digitalisierung und neue Erwartungen an Erlebnisqualität – weiterentwickelt werden. Mit der Weiterentwicklung zur Tourismusstrategie Eifel 25plus knüpfen wir inhaltlich an die ursprüngliche Strategie an und zielen darauf ab, die Destination organisatorisch und strategisch zukunftsfähig aufzustellen. Grundlage waren bestehende Analysen, Marktforschungsdaten sowie die Verzahnung mit den Landestourismusstrategien von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
ET: Welche Rolle hat die BTE dabei übernommen?
Dr. Alexander Schuler: Die Eifel Tourismus GmbH hat den Strategieprozess ausgeschrieben. Die BTE Tourismus- & Regionalberatung wurde beauftragt, den Moderations- und Entwicklungsprozess zu begleiten. In der Weiterentwicklung zur Tourismusstrategie Eifel 25plus hat BTE den Prozess strukturiert und dokumentiert, fachliche Impulse eingebracht und zentrale Beteiligungsformate moderiert.
ET: Wozu braucht die Eifel eine eigene Tourismusstrategie, schließlich gibt es auch von den Ländern NRW und Rheinland-Pfalz jeweils eigene?
Dr. Alexander Schuler: Die Eifel ist eine grenzübergreifende Destination mit Teilräumen in zwei Bundesländern. Die jeweiligen Landesstrategien setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Deshalb braucht die Eifel eine eigene strategische Klammer, die regionale Besonderheiten, Zielgruppen und Themen bündelt und auf die spezifischen Strukturen einer Mittelgebirgsregion zuschneidet. Die ursprüngliche Strategie wurde bewusst mit den Landesstrategien verzahnt, schafft aber ein eigenständiges regionales Fundament.
ET: Sie haben die Tourismusstrategie nicht nur gemeinsam mit der Eifel Tourismus GmbH erarbeitet, sondern es waren auch weitere Akteure vertreten – wie sah der Beteiligungsprozess konkret aus?
Dr. Alexander Schuler: Wir haben beispielsweise nach dem Abschluss der Analysephase eine Zukunftswerkstatt gemacht, bei der wir das Lagebild einmal gerüttelt und bewertet haben mit einem Kreis an Akteuren. Das waren vor allem die Touristiker aus den Destinationen, die teilgenommen haben.
Wir haben dort herausgearbeitet, wohin die Reise gehen soll. Was ist die Vision? Was sind Leitsätze für unsere gemeinsame Entwicklung, auf die wir uns verständigen?
ET: Es gab verschiedene Aufgabenwerkstätten – welche Ziele hatte dieses Format und wie sind die Ergebnisse eingeflossen?
Dr. Alexander Schuler: Eine zentrale Aufgabenwerkstatt fand im Juli 2025 statt. Eingeladen waren Akteure aus Tourismusorganisationen und den Schutzgebietsverwaltungen. Ziel war es, Rollen, Zuständigkeiten und Prozesse im „System Tourismus“ zu schärfen, Überschneidungen zu identifizieren und Synergien zu heben. Die Ergebnisse dieser Werkstatt flossen unmittelbar in die Ausarbeitung der Tourismusstrategie Eifel 25plus ein und konkretisieren die künftige Aufgabenverteilung.
ET: Welche zentralen Handlungsfelder stehen bei der Tourismusstrategie Eifel25plus im Fokus?
Dr. Alexander Schuler: Wir haben fünf Handlungsfelder identifiziert, an denen es sich zu orientieren gilt. Eine Grundlage dafür bildete auch die Konzeption von 2020. Sie wurde aber noch mal weiter untersetzt und ergänzt.
Handlungsfelder sind im Wesentlichen: das System Eifel, also das Thema Organisation Management Netzwerk. Dann gab es auch schon in der Konzeption 2020 das Thema KMU-Förderung (KMU sind kleins,- kleine- und mittelgroße Unternehmen, Anmerkung der Redaktion). Das haben wir jetzt wieder aufgenommen, indem wir ein Handlungsfeld gastgewerbliche Infrastruktur haben. Wir brauchen die Leistungsfähigkeit der KMU, damit diese entlang der öffentlichen Infrastrukturen Gästewünsche befriedigen in den geöffneten und zielgruppenorientierten Gastronomie- und Übernachtungsbetrieben und Freizeitattraktionen. Das Thema Angebote und Produkte identifizierten wir außerdem. Ein wesentliches Handlungsfeld ist das große Thema Digitalisierung. Ein bisschen quer läuft das Thema Nachhaltigkeit und Klimaresilienz, weil es alle Handlungsfelder betrifft.
ET: Ein Schwerpunkt liegt auf der Rollenklärung und Aufgabenverteilung im System Tourismus. Warum ist dieses Thema so entscheidend?
Dr. Alexander Schuler: Tourismus in der Eifel ist ein komplexes Zusammenspiel aus regionaler DMO (DMO sind Destinationsmanagementdestinationen wie die ET, Anmerkung der Redaktion), lokalen Tourismusorganisationen mit ihren TI‘s, Schutzgebieten und weiteren Partnern. Ohne klare Zuständigkeiten drohen Doppelstrukturen oder Effizienzverluste. Die Weiterentwicklung der Tourismusstrategie Eifel 25plus zielt daher auf eine präzisere Aufgabenverteilung und abgestimmte Prozesse, um Ressourcen gezielt einzusetzen und die Schlagkraft des gesamten Systems zu erhöhen.
ET: Strategien sind das eine – die Umsetzung das andere. Was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren?
Dr. Alexander Schuler: Das Tourismuskonzept ist keines nur für die Eifel Tourismus GmbH, sondern eines für die gesamte Destination. Wenn sich alle Partner daran orientieren und es sogar lokal für sich herunterbrechen und detaillieren, wäre das super. Es gilt die Netzwerkarbeit zu intensivieren und in wesentlichen Bereichen nach vorne zu kommen wie der Digitalisierung, der ganzjährigen Erlebnisinszenierung und zielgruppenorientieren Angebotsentwicklung. Es braucht eine hohe Akzeptanz und Wertschätzung für den Tourismus in Politik und Bevölkerung auch als Teil der Daseinsvorsorge.
ET: Wie wird der Erfolg der Tourismusstrategie messbar gemacht? Gibt es Kennzahlen?
Dr. Alexander Schuler: Wir haben darauf geachtet, dass wir den Handlungsfeldern und dem Zielsystem Maßnahmen zuordnen, damit diese Ziele auch erfüllt werden können. Wir haben uns aber bemüht, nicht zu viele Ziele zu formulieren, sondern uns auf 4 – 3 Oberziele zu konzentrieren. Diesen folgen eine überschaubare Anzahl an 22 ausgewählten Maßnahmen.
Es gibt Kennzahlen, an denen wir uns orientieren und an denen wir das auch messen können. Wir haben beispielsweise Studien, die auch die Eifel regelmäßig durchführt wie Destination Brand oder die Wirtschaftsfaktorberechnung. Wir können uns auch daran orientieren, welche Maßnahmen tatsächlich erfüllt und in die Tat umgesetzt wurden. Hierfür braucht es in zwei bis drei Jahren eine Evaluierung des Maßnahmenkataloges.
ET: Was sind die größten Herausforderungen für die Eifel in den kommenden fünf bis zehn Jahren?
Dr. Alexander Schuler: Das Ziel, unter die Top 10 der begehrenswertesten Destinationen in Deutschland zu kommen, ist sicherlich ein ambitioniertes Ziel. Aber durch ein gutes Arbeiten an Themen wie Produkt, Angebot oder Erlebnis und den Bereich Netzwerk bin ich optimistisch, dass der Eifel das auch gelingen wird. Denn die Eifel hat, und das hat der Prozess auch festgestellt, in vielerlei Hinsicht schon ihre Hausaufgaben gemacht. Es gibt ganz viele Stärken, es gab die klare Profilierung in den Themen Natur, Wandern, Rad. Bei den Themen zu bleiben, ist richtig. Wir haben jetzt schon eine hohe Erlebnis- und Aufenthaltsqualität gerade in den Natur- und Kulturlandschaften. Wir haben eine hohe Anzahl an verschiedenen Schutzgebieten wie den Nationalpark Eifel, die Naturparke, den Natur- und Geopark, die natürlich für bestimmte Naturerlebnisse einen Anker bilden und wichtige Player sind. Sie arbeiten eng mit dem Tourismus zusammen aber sie noch stärker einzubinden, ist eine Aufgabe der Umsetzung der Tourismuskonzeption.
ET: Wenn wir im Jahr 2035 auf die Eifel blicken: Woran würden Sie erkennen, dass die Strategie 25plus erfolgreich war?
Dr. Alexander Schuler: Sie blicken auf zehn intensive und erfolgreiche Jahre zurück, in denen Sie gemeinschaftlich den Tourismus in der Eifel und Ihrer Heimat als ganzjährig erlebbare Destination zu einer der zehn begehrenswertesten Urlaubsregionen Deutschlands gemacht haben, Dazu gehört auch, das neue System Tourismus Verständnis in die Praxis übersetzt zu haben. Das heißt, wir sehen in 2035 eine noch bessere Zusammenarbeit der Akteure untereinander. Wir haben vor allem das Thema Netzwerk intensiv mit Leben erfüllt. Das Kompetenzzentrum Wandern arbeitet dann sehr erfolgreich und die Themen Natur und Rad sind weiter unterlegt mit einem Netzwerkverständnis und mit partnerschaftlichem Miteinander.
Worin die Eifel heute schon stark ist: Sie ist bekannt als Marke, als Destination, vor allem im Bereich Tourismus. Bekannt sein heißt aber noch nicht relevant zu sein. Das heißt, die Eifel möchte zu den 10 Top-Destinationen gehören, in denen man auf jeden Fall einen Urlaub machen möchte. Das heißt, sie möchte begehrenswert sein, sie möchte relevant sein, nicht nur bekannt. Das heißt, wenn ich mich für einen Aktivurlaub im Wandern beispielsweise entscheide, muss ich eigentlich als erstes an die Eifel denken und sagen, da will ich hin.
ET: Aus Ihrer persönlichen Sicht: Was sind die Stärken und Schwächen der Eifel im Vergleich zu anderen Mittelgebirgsregionen?
Dr. Alexander Schuler: Gegenüber anderen Mittelgebirgen ist die Eifel gut aufgestellt, weil sie so intensiv in den letzten Jahren schon an ihrer Struktur, an ihrer Profilierung gearbeitet hat, weil sie auch gute Leitprodukte hat wie den Eifelsteig. Die DMO hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt und es gibt starke, leistungsfähige lokale Strukturen. Es gilt jetzt, die Zielgruppenbedarfe direkt in den Fokus zu nehmen und für sie passende Produkte, Erlebnisse und Qualitäten zu entwickeln. An der bisherigen Entwicklung gilt es anzuknüpfen und noch zukunfts- und wettbewerbsfähiger zu werden.
Wir danken für das Gespräch!
BTE Tourismus- und Regionalberatung
Mit der BTE Tourismus- und Regionalberatung (Hauptsitz: Hannover) hat die Eifel Tourismus GmbH einen kompetenten Partner für die Entwicklung einer zukunftsorientierten Tourismusstrategie an Bord geholt.
Hinter dem interdisziplinären Team stehen 35 Jahre Expertise in allen für den Tourismus und die Regionalentwicklung relevanten Schritten: von der Marktforschung und Analyse über Workshops und Fachvorträge bis zur Umsetzungsbegleitung und Evaluation. Die Geschäftsfelder umfassen unter anderem die Destinationsentwicklung, den Aufbau touristischer Infrastruktur insbesondere in den Bereichen Aktiv- und Naturtourismus sowie die Begleitung von Schutzgebieten. BTE ist zertifiziert gemäß ServiceQualität Deutschland und Gemeinwohl Ökonomie.
