Nachdem es in den Jahren 2020 bis 2023 darum ging, den Wirtschaftsstandort Eifel ganzheitlich und nachhaltig nach innen bekannt zu machen, zielt das neue LEADER-Projekt auf einen höheren Bekanntheitsgrad der wirtschaftlichen Stärken auch über die Eifel hinaus. Die erfahrene Agentur Embassy mit Sitz in Berlin begleitet den Prozess. Deren Gründerin, Professorin Katrin Androschin, erläutert im Interview mit Angelika Koch, Redakteurin bei der Eifel Tourismus GmbH (ET) ihre Sicht auf die Eifel und deren besondere Stärken.
Wer ist die Agentur Embassy, welches Leistungsspektrum bietet sie ihren Auftraggebern – wie nun der Zukunftsinitiative EIFEL – an?
Androschin: Wir sind spezialisiert darauf, Marken nutzbar zu machen … sowohl in Bildern wie in Texten. Dabei geht es um das Marketing von ländlichen Regionen wie der Eifel, die ihren Transformationsprozess so gestalten wollen, dass ihre Entwicklung positiv kommuniziert und intensiviert wird. Mit unserer Erfahrung können wir Inspirationen geben, wie das geschehen kann. Darüber hinaus haben wir Expertise in besonderen Themenfeldern erarbeitet, beispielsweise zu innovativer Mobilität oder Gesundheitsversorgung … ebenfalls Bereiche, die insbesondere in ländlichen Gebieten eine besondere Herausforderung darstellen.
Wie ist Ihre Verbindung zur Eifel?
Androschin: Wir waren bereits in den Jahren 2013 bis 2015 an der Entwicklung der Dachmarke mit den drei Säulen Tourismus, Wirtschaft und Qualitätsanbieter beteiligt. Darauf basierte der Aufbau der Kommunikation zum Standort Eifel, dessen Portfolio mit weit mehr als vierhundert Reportagen zu vorbildlichen Unternehmen, Initiativen und anderen Standortmerkmalen sehr gut dokumentiert ist. Wir kennen also die Stärken der Eifel. Sie wird als sozial gerecht, politisch stabil, ökologisch intakt und lebenswert wahrgenommen.
Das klingt hervorragend. Aber gibt es noch „Luft nach oben“?
Androschin: Ja, es ist eine perfekte Voraussetzung für die weitere Steigerung des Bekanntheitsgrades der Eifel. Doch natürlich kann noch optimiert werden. Denn die Studie “Destination Brand” aus 2023 zeigt, dass die Eifel bei allen Vorteilen nicht als starker Wirtschaftsstandort wahrgenommen wird … was nicht der Wirklichkeit entspricht. Unser Ziel ist es, genau diese wirtschaftlich positive Seite der Region bewusst nach außen zu kommunizieren, in einem Radius von rund anderthalb Fahrtstunden um die Eifel herum. Dabei vernachlässigen wir das Binnenmarketing weiterhin auf keinen Fall. Aber im neuen LEADER-Projekt wenden wir uns darüber hinaus gezielt an ZuzüglerInnen, RückkehrerInnen, HochschulabsolventInnen: an die potenziellen Fachkräfte, die für Leben und Arbeiten in der Eifel gewonnen werden können.
Ein erster Kreativworkshop mit den Kümmerern der Landkreise und Kammern hat bereits stattgefunden. Wie geht es weiter?
Androschin: Auf der Basis dieses Workshops und vielfältiger Recherchen erarbeiten wir eine so genannte „core story“. Das ist die wichtigste Kerngeschichte, welche die zentralen Botschaften vermittelt. Sie wird den Slogan „Richtig gut leben und arbeiten“, der den Begriff der WirtschaftsLandschaft illustriert, mit einer Fülle konkret erlebbarer und hochqualitativer Inhalte füllen. Da werden dann Kriterien wie Naturbezug, Work-Life-Balance und Familienfreundlichkeit oder Loyalität, Sicherheit und Heimatgefühl eine Rolle spielen. Mit diesen Aspekten sind die definierten Zielgruppen emotional ansprechbar, so dass die Aufmerksamkeit für die Eifel wächst. Diese „core story“ steht am Ende eines ergebnisoffenen, gemeinschaftlichen Prozesses, an dem auch die Zielgruppen beteiligt sein sollten. Denn es ist sehr wichtig, dass der Blick von außen und das informelle Wissen der Zielklientel in die Arbeit einfließen.
Was ist im Vergleich mit anderen Regionen das Besondere der Eifel, was zeichnet sie aus?
Androschin: Keine Region ist wie die andere, auch wenn es natürlich Parallelen gibt. Die Eifel ist sehr großräumig, zugleich ist sie in allen Richtungen von Metropolen und urbanen Zentren umgeben. Da wird es eine besondere Herausforderung, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu finden und eine griffige Identität herauszukristallisieren. Beides gehört im Wettbewerb mit anderen Regionen dazu, um erfolgreich zu sein. Aber die Eifel ist da gut aufgestellt, denn hier lässt sich hohe Lebensqualität mit wirtschaftlicher Stärke verbinden.
Wie erleben Sie Land und Leute in der Eifel ganz persönlich?
Androschin: Hier ist mir aufgefallen, dass die Menschen vor allem eines sind: einfach freundlich! Geselligkeit, Herzlichkeit, Verbindlichkeit … das sind Werte, die ungemein wichtig sind. Hier gilt ein Wort noch was, hier ist man authentisch. Und wenn ich von Berlin in die Eifel komme, spüre ich selbst, dass der urbane Stress regelrecht abfällt.
Wir danken für das Gespräch!



Die Wirtschaftslandschaft Eifel
Die Eifel verfügt über zahlreiche Stärken – als Lebensraum, Tourismusregion und Wirtschaftsstandort. Viele dieser Qualitäten sind in der Region selbst selbstverständlich, werden außerhalb jedoch noch nicht in ihrer ganzen Vielfalt wahrgenommen.
Mit dem Projekt „EIFEL. Die WirtschaftsLandschaft“ arbeitet die Region deshalb daran, ihre Stärken sichtbarer zu machen und eine gemeinsame Erzählung für die Zukunft zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht die Frage, was die Eifel ausmacht und wie dieses Profil nach innen und außen überzeugend vermittelt werden kann.
Aktuell entsteht dazu eine gemeinsame Core Story, die die Identität, Besonderheiten und Entwicklungsperspektiven der Region auf den Punkt bringen soll.

